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Didgeridoo gegen Schnarchen Von Katja Kreutzer Es klingt ein bisschen wie Schnarchen, und es hilft sogar dagegen: Mit dem Musikinstrument der australischen Ureinwohner, dem Didgeridoo, werden in der Schweiz inzwischen leichte bis mittlere Schlafapnoe und Schnarchen therapiert. Auch in Deutschland soll es bald Kurse geben. Hierzulande haben rund ein bis zwei Millionen Menschen eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe. Apnoe: Betroffene merken es nicht Jahrelang hatte Alex Suarez geschnarcht, so laut, dass seine Frau Silvia im Ehebett oft wach neben ihm lag. Eines Nachts lauschte sie wieder unfreiwillig seinem Schnarchen und wartete auf den nächsten Schnarcher, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie nichts mehr von ihrem Mann hörte. Als die unheimliche Stille eine halbe Minute andauerte, wurde sie panisch und schubste ihn so stark, dass er aus dem Bett fiel. Er hatte nichts mitbekommen – weder die Schnarcher noch seine Atempause. Durch Schlaflabor zur Diagnose
Doch die Maske gefiel den Suarez nicht. Sie drückte und verursachte Hautausschläge, und das Schlimmste: Sie machte nachts Geräusche. „Da war mir das Schnarchen fast lieber“, so Silvia Suarez. Alex Suarez suchte eine Alternative und stieß bald auf das Didgeridoo. Hilfe durch Didgeridoo? Alex Suarez war aufgefallen, dass Didgeridoospieler den gesamten Nasen-Rachen-Raum stark integrieren. Deshalb startete er einen Selbstversuch. Nach einem halben Jahr kam Alex Suarez triumphierend zurück ins Schlaflabor: Er schnarchte nicht mehr, und die Untersuchung zeigte, dass er auch keine Atemaussetzer mehr hatte. Er war froh, denn neben dem gestörten Schlaf der Partnerin birgt Apnoe weitere Gefahren: Tagsüber fühlen sich die Betroffenen schläfrig, was insbesondere im Straßenverkehr problematisch sein kann. Und auf Dauer kann die ständige Belastung durch die Atemaussetzer bis zu drei Minuten auch auf das Herz schlagen. Übergewicht ist oft Auslöser von Atemaussetzern Die Ärzte wollten Alex Suarez nicht ganz glauben, dass sich sein Zustand nur durch das Spielen des Didgeridoos derart verbessert hat. Gleichzeitig hatte er nämlich an Gewicht abgenommen – und Übergewicht verstärkt Schlafapnoe. Alex Suarez schickte einen Freund ins Labor, der sich ebenfalls mit Didgeridoo therapiert hatte. Er wollte erreichen, dass die Mediziner eine Studie durchführen und den Effekt von Didgeridoo wissenschaftlich nachweisen. Doch es sollte noch fast drei Jahre dauern, bis sein Wunsch in Erfüllung ging. Wissenschaftliche Studie
Ein Didgeridoospieler hatte auch bezüglich der Atemaussetzer keine Verbesserung, doch er hatte neben dem obstruktiven – von der Zunge und dem Rachen verursachten – Apnoesyndrom auch ein zentrales, welches vom zentralen Atemzentrum im Gehirn verursacht wird. Beim zentralen Apnoesyndrom hilft das Didgeridootraining also nicht. Das Geheimnis von Didgeridoo Warum Didgeridoo hilft, wissen die Forscher nicht. Das haben sie noch nicht untersucht. Sie vermuten, dass das Geheimnis vom Didgeridoospielen mit der Zirkuläratmung zusammenhängt: Während der Spieler Luft holt, muss er trotzdem weiter in das Rohr blasen. Das schafft er, indem er in den Backen gehortete Luft ausstößt. Dabei muss er den hinteren Gaumen anspannen und den Rachen verschließen, was offenbar die Atemmuskulatur trainiert. Doch Zirkuläratmung gibt es auch bei anderen Musikinstrumenten. Auch die Vibration könnte hilfreich sein, denn das sind ähnliche Schwingungen wie beim Schnarchen. Alex Suarez schwört auf die Kombination der genannten Phänomene mit seiner speziellen Entspannungs- und Konzentrationstechnik. Denn er berichtet, dass es auch erfahrene Didgeridoospieler gibt, die schnarchen und die ihn um Hilfe gebeten haben. Außerdem sei es sein spezielles Didgeridoo aus Plexiglas, worauf auch Laien schnell einen Ton zustande bringen. Ein Verkaufstrick? Jedenfalls läuft sein Geschäft mit den Therapien zu 490 Schweizer Franken (320 Euro) gut. Dafür gibt es zweimal vier Stunden Therapie und das Didgeridoo aus Plexiglas. !!! Vorsicht !!!! Achtung Nachmacher !! Menschen mit starken Atem- Aussetzern raten die Ärzte unbedingt zur Schlafmaske. Deshalb ist bei Schlaf oder Atemproblemen der Gang ins Schlaflabor oder zum Lungenfacharzt unumgänglich, bevor man mit einer Didgeridootherapie beginnen möchte.
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